Trocken werden: Windel adé, Töpfchen olé!

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Olivia
Olivia
Ich bin Liv. Geboren, um die Welt zu entdecken. Zuhause ist für mich der Ort, an den mich mein Herz gerade führt. Ich bin digitaler Nomade aus Überzeugung und kann so Job und meine große Leidenschaft - das Reisen - perfekt miteinander verbinden. Auf der wohl spannendsten Reise meines Lebens nehme ich Euch hier bei den MamiBees gerne ein Stückchen mit.

Das Trocken werden

Das Thema mit dem Trocken werden, begleitet mich inzwischen schon eine ganze Weile…

Damals in unserem Familienurlaub 2018, dachte ich, dass er sich bestimmt für ein Leben ohne Windel begeistern lässt, wenn ihm erst mal frischer Wind um den ständig verpackten Popo weht. Denkste.

Es war wirklich blitzschnell klar wie Kloßbrühe, dass ihn das Töpfchen-Thema noch gar nicht umtreibt und so haben wir einfach direkt wieder zur Windel gegriffen. Und gewartet.

Wir haben noch ein paar Monate gewartet. So lange, bis der junge Mann von selber an kam und sagte, er wolle jetzt keine Windel mehr tragen.

Das war kurz vor dem Wechsel in den Kindergarten. Kurz vor seinem dritten Geburtstag und kurz vor der Geburt von BabyBee Nummer 2. Da war eine Menge los bei uns.

Tagsüber lief es ohne Windel von Anfang an relativ gut. Nachts haben wir die Windel weiter getragen.

Unfälle gab es immer wieder. Aber da drauf war ich eingestellt. So ist das nun mal, es ist ja schließlich noch kein Meister vom Himmel gefallen.

In den Ferien vor dem zweiten Kindergartenjahr sind wir umgezogen und es stand ein Kindergartenwechsel ins Haus. Dank Hausbau lagen meine Nerven blank und die durch den Wechsel verlängerten Ferien haben nicht wirklich zur Entspannung des Chaos beigetragen. Es ging mal wieder rund bei uns und irgendwie sind wir in ein richtiges Sommerloch gefallen – besonders in Sachen windelfrei.

Das Tief war leider relativ stabil. In den vergangenen Wochen und Monaten stieg die Anzahl der Unfälle stetig. Offen gestanden war ich mit meinem Latein schon fast am Ende, als ich von einer Heilpraktikerin den offenbar entscheidenden Hinweis bekommen habe.

Die Alternativmedizinerin meines Vertrauens war der felsenfesten Überzeugung, das sich unsere Situation tagsüber nicht verbessern wird, so lange mein Sohn nachts noch eine Windel trägt.

Sie argumentierte, dass das Thema niemals Einzug in sein Unterbewusstsein erhalten würde, so lange wir noch mit Netz und doppeltem Boden arbeiteten.

Puh. Also offen gestanden hatte ich an dieser Theorie so mein Zweifel. Jeder, ja wirklich jeder, mit dem ich bislang gesprochen hatte, der ein Kind hat, das nachts schon trocken war, hat mir erzählt, das die Windel morgens sowieso schon immer leer war, bevor sie auf die nächtliche Windel verzichtet hatten.

Trocken werden Baby wickeln

Für uns also völlig undenkbar, nachts auf die Windel zu verzichten. Ein Himmelfahrtskommando. Nächtliche Bett-Bezieh-Orgien vorprogrammiert. Zum Glück schläft er nicht mehr bei uns im Familienbett und wir müssen nur ein Bett frisch machen.

Aber hey, ich war verzweifelt und habe mich auf das Experiment eingelassen. Und gewonnen!

Wir haben sofort am Abend nach dem Termin bei unserer Heilpraktikerin mit unserem Sohn gesprochen. Er hat ja schon lange gesagt, er will die Windel nachts nicht mehr anziehen. Aber weil die immer noch so voll war, habe wir ihn bis lang noch vertröstet. Er war daher natürlich Feuer und Flamme und für den guten Zweck auch sofort bereit, abends auf seine Milch zu verzichten. (Yay, zwei Fliegen mit einer Klatsche!)

Der Erfolg von nachts war sofort auch unter tags spürbar: Wir konnten die Anzahl der benötigten Wechselgarnituren von heute auf morgen von durchschnittlich 5-7 auf ca. 2 reduzieren.

In den letzten Monaten lief unsere Waschmaschine täglich. Ich kann Euch gar nicht sagen, was für eine Wohltat das war, nicht mehr jeden Tag Wäsche waschen zu müssen, um das Kind am nächsten Morgen noch anziehen zu können. Es gab tatsächlich den ein oder anderen Tag in diesem Winter, an dem wir aus Mangel an Alternativen in kurzen Hosen zuhause gesessen sind.

Mein Stresslevel ist augenblicklich von “völlig übergeschnappt” auf “hey…läuft” gesunken. Und da mein Gemütszustand quasi richtungsweisend für die Stimmung der ganzen Band ist, freuen sich hier alle.

Da ich aus eigener Erfahrung weiß, wie nervenzährend das Trocken werden für eine ganze Familie sein kann, habe ich alle Infos zu diesem Thema einmal zusammengetragen. Vielleicht findet der ein der andere ja wie ich so den entscheidenden Hinweis.

Trocken werden: Ab wann ist ein Kind bereit auf die Windel zu verzichten?

Wann es für ein Kind an der Zeit ist trocken zu werden, bestimmt es maßgeblich nicht selbst. Der kleine Körper weiß, wann alle Entwicklungsschritte vollzogen sind und es so weit ist.

Beim Sauberwerden handelt es sich nämlich um einen Reifungsprozess, den wir nicht beschleunigen, sondern ausschließlich unterstützen können. Wir müssen aufmerksam auf die Signale unserer Kinder achten und sie dann bei diesem wichtigen Schritt entsprechend unterstützen.

Übernimmt ein Kind mehr und mehr Hygienetätigkeiten selbst, so müssen die Eltern die Aufgaben schrittweise in die kindliche Verantwortung übergeben. Der Part der Eltern wird dann ein anderer: nämlich anfangs noch den Toilettengang zu begleiten, bald nur noch im Notfall einzugreifen und dem Kind zuzutrauen, die Anforderungen alleine zu bewältigen, so Dr. Gabriele Haug-Schnabel.

Sehr viel Geduld und noch mehr Verständnis von den Eltern sind dabei unerlässlich.

Die Eigeninitiative zum Trocken werden MamiBees

Ab wann kann ein Kind trocken werden? 

“Das Alter in dem die Kinder trocken und sauber werden, ist sehr unterschiedlich und wird durch die individuelle Reifung bestimmt”, so der renommierte schweizer Kinderarzt Remo Largo.

Buchtipp:
In seinem Buch Babyjahre berichtet der renommierte Schweizer Kinderarzt über die individuelle Entwicklung eines Kindes. Hier geht es zum Buch.*

Um auf die Windel zu verzichten, müssen grundsätzlich einige körperliche und geistigen Voraussetzungen erfüllt sein:

Körperliche Entwicklung

  • Das Kind kann sich alleine die Hose herunterziehen.
  • Das Kind kann sich selbstständig auf das Töpfchen oder die Toilette setzen.
  • Das Kind kann sagen, dass es einmal muss. 
  • Die Windel bleibt bereits für längere Zeit (3 – 4 Stunden) trocken.

Geistige Entwicklung

Kinder sind verstandesmäßig dann in der Lage trocken zu werden, wenn ernsthaftes Interesse besteht, …

  • … die Eltern auf die Toilette zu begleiten,
  • keine Windel mehr anziehen zu wollen und/oder
  • volle Windeln sofort gewechselt bekommen zu wollen.

Warum Kinder nicht trocken werden 

Reifungsprozess noch nicht so weit

Der Reifungsprozess dauert individuell unterschiedlich lange. Wir können diese Entwicklung nicht beschleunigen, sondern nur durch Unterstützung begünstigen.

Gras wächst auch nicht schneller, nur weil man daran zieht.

Entwicklungsstörung

“Die Sauberkeitserziehung bei einem Kind mit Entwicklungsstörungen kann eine große Herausforderung darstellen”, so Brenda Batts in ihrem Buch*.

Zum Beispiel kann das Trocken werden bei Kindern mit Trisomie 21 sehr variieren. Einige Kinder sind bereits mit drei Jahren trocken, andere tragen mit sieben Jahren oder später noch eine Windel.

Durch die individuellen Ausprägungen der Begleiterkrankungen verläuft auch die Entwicklung jedes Kindes ganz unterschiedlich.

Nicole Ulrich, Kindertherapeutin

Medizinisches Problem

In deutlich weniger Fällen gibt es medizinische Gründe, warum Kinder nicht trocken werden oder damit Schwierigkeiten haben.

Wenn eine ernsthafte Erkrankung der Blase oder der Harnröhre vorliegt, solltet ihr unbedingt bei Eurem Kinderarzt vorstellig werden.

Ab wann müssen Kinder trocken sein?

Auf diese Frage gibt es nur eine Antwort: Das richtige Alter gibt es nicht!

Die Natur gibt den Takt vor, sonst kann das keiner. Auch wenn einige Kindergärten trotzdem wollen, dass Dreijährige windelfrei sind.

“Die meisten Kinder lernen das Trockenwerden zwischen ihrem 3. und 5. Lebensjahr”,  so Kinderarzt Dr. Helmut Niederhoff.  Abweichungen von dieser Regelzeit sind nicht besorgniserregend.

Das durchschnittliche Alter zum Trocken werden

“Eigeninitiative zeigen Kinder meist im Alter zwischen 18 und 36 Monaten. Mädchen sind den Jungen in dieser Entwicklung meist voraus” weiß Remo Largo vom Kinderspital Zürich.

Das Gehirn ist dann soweit gereift, das die meisten Kinder Harndrang spüren und eine Blasen- oder Darmentleerung bewusst wahrnehmen. Das kann man in der Regel deutlich an ihrer Mimik oder Körperhaltung ablesen.

Erst jetzt können sie aktiv Einfluss nehmen auf die Ereignisse.

Trocken durch den Tag

Hat das Kind erstmal den Wunsch geäußert, auf die Windel verzichten zu wollen, dann ist der entscheidende Schritt getan.

Meine Erfahrung zeigt, dass deutlich weniger daneben geht, wenn ich regelmäßig an das neue to do erinnere, schließlich muss sich das Kind der neuen Verantwortung erstmal bewusst werden.

Mit Geduld und Verständnis kommt man dann eher früher als später auch ohne Windel durch den Tag.

Tagsüber trocken werden MamiBees

Trocken durch die Nacht

Antidiuretisches Hormon (Adiuretin)

Das Antidiuretische Hormon, kurz ADH, ist ein Peptidhormon. Das besteht aus speziellen Proteinen, die Botenfunktionen ausüben, die bestimmte Regelungen in menschlichen Körpern bewirken.

ADH bewirkt die Bewahrung von Körperflüssigkeit: Diese Hormon sorgt normalerweise dafür, dass nachts weniger Harn gebildet wird, wodurch der Urin konzentriert ist und sein Volumen abnimmt, so Bernhard Hock, Dr. Emine Straube & Kolleginnen.

Da es vor allem nachts ausgeschieden wird, ermöglicht es gesunden Erwachsenen, ohne Bettnässen durchzuschlafen.

Bei Kindern und Jugendlichen wird nachts oft noch nicht genug anti-diuretisches Hormon gebildet. Die komplette Kontrollfähigkeit über die Blase ist daher unter Umständen erst mit zwölf Jahren entwickelt.

Damit das Bettchen nachts trocken bleibt

Ganz häufig sind Kinder tagsüber schon trocken, bis sie auf die Nachtwindel verzichten können. In der Regel lernt der kleine Körper im Rahmen des Reifungsprozesses, selbstständig auf den Nachtmodus umstellen, indem er wie oben beschrieben, mehr ADH ausschüttet.

Manche Eltern warten daher oft damit ihren Kindern nachts keine Windel mehr anzuziehen, bis diese morgens ohnehin schon trocken ist.

Ich habe relativ lange vergeblich auf diesen besagten Morgen gewartet. Da meine Heilpraktikerin ja die Theorie aufgestellt hat, das wir nur komplett ohne Windel auch tagsüber nachhaltig erfolgreich sein werden, haben wir uns entschieden, den nächtlichen Versuch zu wagen.

Zu wissen, dass es man keine Windel mehr anhat, kann bereits der entscheidende Schritt sein, um den bahnbrechenden Erfolg zu erzielen. 

Da die Verbindung zwischen einer vollen Blase und dem dadurch notwendigen Aufwachen bei den Kindern oft noch nicht funktioniert, setzen wir unseren Sohn immer noch ein Mal zusätzlich auf das WC, bevor wir selber schlafen gehen.

Natürlich achten wir darauf, dass er auch direkt vor dem zu Bett gehen nochmals auf die Toilette geht.

Bei uns lief es nachts ohne Windel wider erwarten von Anfang an direkt ziemlich gut. Ziemlich gut heißt natürlich nicht unfallfrei.

Aktuell wird er noch nicht selbstständig wach, weil er mal muss. Allerdings kann er bereits relativ lange Zeiträume von 6 bis 7 Stunden “aushalten”.

Seid aber auch darauf vorbereitet, dass es nicht direkt klappt. Alles ist möglich, nichts muss.

Nachts trocken werden MamiBees

Richtiges Trinkverhalten

Viel trinken ist gesund. Das weiß jeder. Deswegen bin ich auch sehr froh, das meinen beiden Jungs trinken wie zwei kleine Kamele.

In Bezug auf das Trocken werden ist es allerdings nicht gerade förderlich.

Ich habe daher mit meinem Großen gesprochen und für die gute Sache gemeinsam mit ihm beschlossen, auf die abendliche Milch zu verzichten.

Wie lange dauert es bis Kinder trocken sind?

In Punkto trocken werden gibt es weder ein “normalerweise” noch ein “für Gewöhnlich”. Bei einigen klappt das trocken werden innerhalb weniger Tage, aber bei den meisten zieht zieht es sich über mehrere Monate. 

Wann bricht man den Versuch trocken zu werden ab?

Den Versuch trocken zu werden abzubrechen, würd bedeuten, zur Windel zurück zu kehren. Ob diese Rückkehr sinnvoll ist, darüber scheiden sich die Geister.

Was hilft beim Trocken werden?

Unterhosen

Aus Erfahrung kann ich euch sagen, das es gut ist, alle Stressfaktoren auszuschalten, die man ausschalten kann. Dazu gehört auch, immer genügend Wechselwäsche zur Verfügung zu haben.

Ich lege Euch ans Herz, lieber nochmal eine Packung Schlüppis* zu besorgen. Schadet sicher nicht und ist finanziell bestimmt zu verkraften.

Manche Kinder mögen keine Unterhosen oder können sich nur schwer von den lieb gewonnenen Windeln verabschieden. Für diejenigen gibt es eine ganze Reihe Alternativen wie Windel- oder Trainerhöschen.

Trainerhöschen

Trainerhöschen* sind weniger als Windeln, aber etwas mehr als normale Unterhosen. In der Anfangszeit, wenn ab und an noch das ein oder andere Tröpfchen daneben geht, sind sie eine tolle Sache.

Die Kinder sind froh und vielleicht sogar ein bisschen stolz die Windel endlich los zu sein und haben dank Trainerhöschen aber ein Back-up, das Unfälle geschickt verhindert.

Außerdem können die Kids die Höschen gut alleine an- und ausziehen und so eigenständig auf die Toilette gehen.

Klingelhosen

Klingelhosen* sehen aus wie normale Unterhosen. Allerdings mit einem Unterschied: es ist ein spezieller Feuchtigkeitsfühler eingebaut. Der macht sich akustisch bemerkbar und erinnert die Kinder so daran, dass es Zeit für einen Besuch auf der Toilette ist. Der große Nachteil ist der hohe Preis.

Alternativ gibt es Feuchtigkeitssensoren*, die an jeder normalen Hose befestigt werden können. Dieser ist über ein Kabel mit einer Armbinde verbunden, die im Ernstfall mittels Vibration Alarm schlägt.

Ich könnte mir vorstellen, dass das Kabel tagsüber als störend empfunden wird. Nachts könnte der “mobile” Feuchtigkeitssensor allerdings durchaus effektiv Schlimmeres verhindern.

Windelhöschen

Um sich von der Windel* zu verabschieden, könnte ein erster Schritt der Umstieg auf Windelhöschen* sein.

Die können die Kleinen wie normale Unterhosen handhaben. Aber wenn gerade am Anfang doch mal was daneben geht, dann geht’s nicht gleich in die Hose.

Töpfchen & Co.

Töpfchen

Es gibt sie in allen erdenklichen Farben und Formen. Es gibt sie sogar mit Musik*, wenn die Kids sie erfolgreich “füllen”.

Ob das die Kinder schneller trocken werden lässt, wage ich in Frage zu stellen, aber es macht bestimmt Spaß und motiviert, das Töpfchen schon bald wieder zu nutzen.

Mit Töpfchen trocken werden

Wir haben uns für ein hübsches Wal-Töpfchen von Kindsgut* entscheiden. Auch wenn mein Kleiner erst ein Jahr alt ist, für alle Fälle und zum Kennenlernen, steht es schon bei uns im Bad bereit und wartet geduldig auf seinen ersten Einsatz.

Toilettenaufsatz

Da unser erster Sohn relativ groß gewachsen ist, hatte er bereits bei seinen ersten Versuchen keine Schwierigkeiten, sich alleine auf die Toiletten zu setzten. Daher waren wir von Anfang an eher Team Toilettenaufsatz als Team Töpfchen. Wir haben uns damals für den Toilettenaufsatz ohne Leiter von bébé-jou* entschieden.

Ich gestehe, ich habe diese Entscheidung befürwortet, weil mir so das Reinigen des Töpfchen erspart blieb. Eine saubere Sache dieser Toilettenaufsatz.

Für diejenigen, die noch zu klein sind, selbst auf die Toilette zu klettern, gibt es auch Toilettenaufsätze mit kleinen Leitern*.

Tipps & Tricks

Immer auf alles vorbereitet sein

Wir haben die Erfahrung gemacht, das es ungemein entspannt, wenn man immer und überall für alle Eventualitäten gewappnet ist.

So kann ein kurzer Ausflug auf den Spielplatz schon mal aussehen wie eine mehrwöchige Urlaubsreise, aber immerhin muss man dann nicht in Panik ausbrechen, wenn unterwegs was schief läuft.

Man verhindert durch das Mitschleppen diverser Wechselgarnituren sicherlich keine Unfälle, aber man kann deutlich souveräner damit umgehen und verbreitet so am Ende weniger Stress.

Wie man “Unfälle” vermeiden kann

Unfälle waren seit unserem Sommerloch leider Programm. Es ist ja nicht so, das ich es nicht kommen gesehen hätte, aber nur weil ich es wusste, hieß das noch lange nichts.

Auf regelmäßige Nachfragen, bekam ich immer wieder die gleiche Antwort: “Ich muss nicht aufs Klo”.

Mit steigender Nachfrage sank die Laune exponentiell – auf beiden Seiten. Auf fast auf jedes “Ich muss nicht aufs Klo” folgte kurzfristig ein “Oh, die Hose ist nass”.

Nach einiger Zeit haben wir uns darauf geeinigt, das wir nicht mehr darüber diskutieren und wenn ich meinen Großen freundlich bitte, mal wieder zur Toilette zu gehen, er das auch ohne zu Murren tun. Die Erfahrung zeigte, das auch die Versuche bei denen er “sicher nicht muss” am Ende in der Regel erfolgreich waren.

Tatsächlich war meine regelmäßige Erinnerung das einzige Mittel, was wirklich präventiv wirkte und die Zahl der Malheure nach unten korrigierte.

Routinen schaffen

Routinen sind quasi das Pendant zu individuell ausgesprochenen Erinnerungen. Sie nehmen es dem Kind ab, darüber nachdenken zu müssen, ob es nun muss oder nicht, und ersparen den Eltern so die ein oder andere Diskussion.

Routinen sind fest installierte Zeitpunkte, um auf die Toilette zu gehen.

Wir konnten bei uns auf folgende Routinen einführen:

  • Nach dem Aufstehen
  • Vor dem Essen
  • Bevor wir ins Auto steigen
  • Bevor wir nachmittags zum spielen raus gehen
  • Vor dem Schlafen
  • Einmal im Halbschlaf, wenn Mama und Papa ins Bett gehen

Trocken werden in 3 Tagen:
3 Day Potty Training von Lora Jensen

“Das 3-Tage-Töpfchentraining ist ein gezieltes Programm, bei dem Sie 3 aufeinander folgende Tage damit verbringen, Ihr Kind auf dem Töpfchen zu trainieren”, so Jensen auf ihrer Homepage.

Ich kann nicht garantieren, dass Ihr Kind am Ende der 3 Tage aufs Töpfchen geht, aber gemeinsam können wir das tapfer durchziehen.

Jensens Erfolgsrezept funktioniert wie folgt:

  1. Keine Ablenkung!
    Man widmet sich volle drei Tage ausschließlich dem trocken und sauber werden.
  2. Alle Windeln müssen weg!
  3. Nicht fragen, erinnern!
    Statt zu fragen “Musst du auf die Toilette?” soll man mit Erinnerungen wie “Denk daran Bescheid zu geben, wenn du auf die Toilette musst!”an die Eigeninitiative appellieren und das Verantwortungsbewusstsein zu stärken.

Das Feedback im Netz ist zweigeteilt: manche berichten von Erfolgen, andere schildern ihr Scheitern.

Angst vorm Töpfchen

Es gibt die Theorie, dass Kinder es als Verlust begreifen, das sie etwas, das sie “selbst gemacht haben” auf der Toilette aufgeben sollen. Das Werk wird am Ende einfach weggespült und verschwindet auf Nimmerwiedersehen.

Dieser Verlust, der immer mit einer Unterbrechung des Spiels einhergeht, wird so zum lästigen Übel.

Wenn der Stuhlgang dann auch noch hart ist, verursacht es sogar Schmerzen. Warum soll man sich da freuen?

Insgesamt kann der Toilettenbesuch noch eine ganze Reihe anderer beängstigender Fragen aufwerfen: Was passiert mit mir, wenn ich ins Klo falle? Werde ich dann auch verschwinden? Und überhaupt, wo geht’s da eigentlich hin? Sitzt ein Monster im Klo?

Belohnung: Warum man lieber nicht loben sollte

Beim Thema Lob scheiden sich die Geister. Für manch einen ist Lob unerlässlich, um sein Kinder zu bestärken und zu motivieren.

Für andere wiederum ist das Loben keinesfalls das Mittel der Wahl.

Bleibt Lob oder Belohnung aus, könnte Frust beim Kind entstehen und als Strafe wahrgenommen werden. Außerdem könnte der Eindruck entstehen, das man nicht daran glaubt, dass das Kind erfolgreich sein kann.

Möglicherweise kann ein Kind dann gar nicht mehr ohne Lob, es entsteht eine Art Abhängigkeit. Am Ende könnte es sogar dazu führen, dass das Kind nur noch auf dem Töpfchen sitzt, um sich die Anerkennung zu sichern.

“Kinder seien im Allgemeinen auf liebevolle Begleitung und Erziehung angewiesen und brauchten keine Belohnungen, um zu reifen” so Pädagogin Astrid Sult auf spiegel.de.

Ich habe bei meinen Kindern allerdings die Erfahrung gemacht, dass ehrlich gemeintes Lob, das mit Maß und Ziel eingesetzt wird, durchaus motiviert und gut tut. Vermutlich eine ganz individuelle Entscheidung.

Helferlein für Unterwegs

  • Nässeschutz für den Autositz
    Als unser Großer anfangs tagsüber bereits trocken war, war die häufigste Unfallursache das Einschlafen im Auto. Damit man nicht jedesmal den ganzen Sitz abziehen und waschen muss, gibt es super praktische Sitzauflagen* . Jeder der schon einmal den Stoff vom Autositz abziehen musste, weiß, dass sich die Investition in den Nässeschutz lohnt.
  • Uhr mit Alarmfunktion
    Tatsächlich war die Uhr mit Alarmfunktion* meine letzte Idee, falls wir nach dem Besuch bei der Heilpraktikerin keine Erfolge verbuchen können. Die Uhren erinnern die Kinder bei Bedarf alle 30, 60 oder 90 Minuten daran, auf die Toilette zu gehen. Ich hatte mir bereits ein Model ausgesucht, bislang aber noch nicht zuhause getestet.

Helferlein für zuhause

  • Matratzenschutz
    Ein Matratzenschutz* sollte in keinem Kinderbett fehlen, da hier ja immer mal was daneben gehen kann. Ich persönlich finde die Auflagen mit den Gummis an den Ecken zum Befestigen super, das erspart einem eine Menge Frust beim Betten beziehen.
  • Nachtlicht für den Weg zur Toilette
    Damit unser Sohn nachts gut den Weg durch die Dunkelheit findet, haben wir uns ein Nachtlicht mit Bewegungssensor für die Steckdose* besorgt. So läuft man nicht Gefahr, das man total verschlafen den falschen Schalter drückt und muss trotzdem nicht im Dunkeln seinen Weg finden.

Buchtipps

Fazit

Ich habe mich in den letzten Wochen intensiv mit dem Thema trocken werden beschäftigt. Zum einen für diesen Artikel und zum anderen, weil das Thema bei uns zuhause aktueller ist denn je.

Die wichtigste Aussage bei all meinen Recherchen war am Ende immer: trocken werden dauert – individuell lange – und erfordert viel Geduld und Verständnis.

Der größte Fehler wäre diese Geduld zu verlieren und bei Unfällen zu schimpfen.

In der Theorie versteh ich das. In der Praxis ist es eine unglaubliche Herausforderung.

Ich dachte mit dem Besuch bei der Heilpraktikerin und dem Verzicht auf die nächtliche Windel den großen Durchbruch geschafft zu haben. Aber offensichtlich war das nur ein kurzzeitiges Hoch, das seit Tagen von einem hartnäckigen Tief abgelöst wird.

Heute hatten wir unzählige Unfälle. Die ersten paar Mal war ich überaus verständnisvoll. Habe gut zu geredet. Irgendwann hätte ich heulen können.

Man gibt das nicht so gerne zu, aber ich schaffe es leider nicht immer, alles richtig zu machen. Manchmal treibt es mich an den Rande der Verzweiflung und ich bin nicht so verständnisvoll, wie man sein sollte und ich es selber gerne wäre. Aber ich gebe jeden Tag mein Bestes und bin mir sicher, das wir das Tief bald dauerhaft überstanden haben!

FAQ´s zum Trocken werden

Wie lange dauert trocken werden?

Beim Trocken werden handelt es sich um einen ganz individuellen Prozess. Er ist bei jedem Kind genetisch vorbestimmt und damit weder im Ablauf noch in der Geschwindigkeit durch Übung beeinflussbar. Manche Kinder beschließen keine Windel mehr zu wollen und sind von diesem Moment an trocken. Andere haben über Monate immer wieder Unfälle.

Wie werden Jungs trocken?

Im Grunde genommen ist der Prozess bei Jungen und Mädchen der gleiche. Mädchen sind den Jungen in der Entwicklung aber in der Regel etwas voraus.

Töpfchen oder Toilette zum Trocken werden?

Es gibt kein richtig oder falsch, erlaubt ist was gefällt.

Wann werden Kinder trocken?

In der Regel entwickeln Kinder mit 18 bis 36 Monaten die nötige Eigeninitiative zum Trocken werden.

Welches Buch gibt Tipps zum Trocken werden?

In unserem Blog-Beitrag haben wir einige Buchtipps für euch zusammengestellt.

Wie werden Kinder im Sommer trocken?

Beim Trocken werden im Sommer kann man sich die warmen Temperaturen zu Nutzen machen und die Kinder einfach mal ohne Windel laufen lassen. Das birgt mehrere Vorteile: zum einen müssen die Kleinen nicht mit komplizierten Verschlüssen an den Hosen kämpfen, wenn sie aufs Töpfchen müssen und verlieren so keine wertvollen Sekunden. Und zum anderen erspart man sich eine Menge Arbeit mit der Wäsche, wenn doch mal was daneben geht.

Werden Kinder im Urlaub schneller trocken?

Nein. Allerdings sind Mama und Papa im Urlaub bestimmt etwas entspannter als im stressigen Alltag und können die Kleinen so vielleicht noch geduldiger beim Trocken werden unterstützen.

Soll man die Windel zum Trocken werden einfach weglassen?

Wenn das Kind äußert, keine Windel mehr tragen zu wollen und die körperlichen und geistigen Voraussetzungen zum Trocken werden erfüllt, dann sollte man den Versuch, ohne Windel durchs Leben zu schreiten, wagen! Lasst Euch von Rückschlägen nicht entmutigen, es ist noch kein Meister vom Himmel gefallen.

Wann fängt man mit dem Trocken werden bei den Kinder an?

Das geben die Kinder ganz alleine vor: Manche signalisieren bereits mit 1,5 Jahren, dass sie aufs Töpfchen gehen wollen. Andere brauchen etwas länger. Dieser Prozess lässt sich nicht beschleunigen.

Gibt es ein Hormon um trocken zu werden?

Das antidiuretische Hormon hilft uns trocken durch die Nacht zu kommen. Lest hier wie es wirkt.

Bis wann sollte ein Kind trocken sein?

Ein Kind sollte dann trocken sein, wenn es geistig und körperlich dazu in der Lage ist. Man kann das nicht an einem Datum fest machen. Da bei uns die meisten Kinder mit drei Jahren in den Kindergarten kommen, arbeiten Eltern auf diesen Zeitpunkt hin, ihr Kind trocken zu bekommen. Scheinen die Bemühungen im Sande zu verlaufen, verstärken Eltern den Druck, und laufen Gefahr, diese so genannte “sensible Phase” für den Erwerb der Blasenkontrolle sogar nachhaltig zu stören. Eine Ablehnung für einen Kindergartenplatz, weil ein Kind noch eine Windel trägt, ist rechtlich nicht haltbar.

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