BEEindruckt: Tina Ziegler im Interview über Resilienz

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Jessi
Ich bin Jessi. Geborene Rheinländerin, im Herzen Allgäuerin und verliebte Augsburgerin. Früher war ich Langschläferin, jetzt bin ich verheiratet und stolze Mama von zwei tollen Jungs. Ich mag gutes Essen, Sushi ganz besonders. Und ich hab ein Faible für Einrichtung und andere schöne Dinge. Ich liebe die Fotografie, Dekogeschäfte und ich mag Selbstgemachtes – wirklich!

Habt ihr schon mal von Resilienz gehört? Ich gestehe, bis vor kurzem war mir der Begriff völlig unbekannt.

Per Definition handelt es sich bei Resilienz um psychische Widerstandskraft. Gemeint ist die Fähigkeit, Krisen zu bewältigen, sie ohne Brüche oder langfristige Beeinträchtigungen zu überstehen und bestenfalls sogar gestärkt daraus hervorzugehen.

Psychische Stärke ist in diesen Tagen meiner Meinung nach besonders gefragt. Für viele Menschen ist die aktuelle Situation schwer, auch viele Mütter fühlen sich überfordert. Die Anforderungen an uns Mamas sind vielfältig: Arbeiten in Teilzeit, Homeschooling im Wechsel oder dank Quarantäne nebenbei Kinderbeschäftigung in Vollzeit. Dazu kommt die Angst um die Gesundheit und die Sorge den Anforderungen nicht gerecht zu werden.

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Wie wir uns selbst stärken können und auch unseren Kindern helfen, gefestigt durch diese schwierige Zeit zu kommen, haben wir bei Tina Ziegler nachgefragt.

Nach unserem Umzug im letzten Jahr habe ich Tina zufällig beim Laternen-Basteln im neuen Kindergarten kennengelernt. Ich erinnere mich noch ziemlich genau daran, wie Tina sich am Tisch mit einer Erzieherin unterhalten hat und ich sofort total beeindruckt war, wie sie über unsere Kinder gesprochen hat. Man hört einfach gerne zu.

Tina ist eine absolute Powerfrau: sie ist Ehefrau und Mami von drei tollen Kindern, Make-Up-Artist, Hairstylistin, Trainerin, Coach und noch so vieles mehr. Sie ist ein echter Tausendsassa, aber niemand, der alles anfängt und nichts zu Ende bringt. Ganz im Gegenteil, ich habe selten jemanden erlebt, der so sehr bei sich ist und mit viel Kreativität, Humor und Disziplin immer irgendwie alles unter einen Hut bekommt und “aus scheinbar nichts plötzlich ganz viel” macht.

In ihrer Tätigkeit als Persönlichkeitscoach und Trainerin begleitet Tina Menschen mit viel Gefühl und Know-How bei privaten und beruflichen Entwicklungsprozessen.

Und als Mama ist sie “selbst mittendrin im Corona-Schulalltag und darf hautnah miterleben, was auch andere Eltern in dieser Zeit bewegt”.

Wir haben nachgefragt, was sie persönlich tut um ihre Kinder für diese Phase des Lebens zu stärken.

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Resilienz: Wie gehen Kinder stark durchs Leben?

Tina: Ich bin davon überzeugt, dass der natürlichste Weg unsere Kinder zu stärken die Auseinandersetzung mit uns selbst ist. Kinder lernen von Ihren Eltern. Wir sind ihre Vorbilder. Bis zu einem gewissen Alter übernehmen sie unsere Werte, unsere Handlungs- und Herangehensweisen ohne diese zu hinterfragen. Sie schauen sich ab, wie wir mit Veränderung, Krisen oder Herausforderungen umgehen. 

Nehmen wir die aktuelle Situation. Die Corona-Krise bringt viele Menschen und auch Familien an ihre Grenzen. Ja, und doch ist es eben wie es ist. Jeder, der gestärkt durch diese Zeit gehen möchte, kommt nicht an der Frage vorbei: Bin ich jetzt ein Opfer dieses äußeren Umstands, oder nehme ich es in die Hand? Beispiele hierfür können wir gerade überall finden. Die einen gehen in den “Kampf” – gehen auf die Straße und schimpfen lauthals über alles, was nicht bei drei auf den Bäumen sitzt. Die Anderen kommen mit neuen Ideen und Plänen um die Ecke.

Leben wir Eltern im Unfrieden mit uns und der Welt, so überträgt sich das mit hoher Wahrscheinlichkeit auch auf unsere Kinder. Das kostet jede Menge Energie und schwächt alle Beteiligten.

Sind wir in der Lage anzunehmen was ist bzw. kommt, (auch, wenn wir das nicht immer gut finden), bleiben wir handlungsfähig und können agieren, anstatt zu reagieren. Eben das Beste daraus machen. Das stärkt sowohl uns als auch unsere Kinder.

Wir sind in der Lage zu entscheiden, wie wir mit dem Leben umgehen wollen. Dieses Bewusstsein auch an Kinder weiterzugeben, scheint mir die Basis für einen gestärkten Start ins Leben.

Tipps – Wie kann man Resilienz stärken bzw. erlernen?

Ein Begriff der mir sehr häufig in Verbindung mit Resilienz begegnet heißt Achtsamkeit oder Englisch “mindfulness”. Was ist damit gemeint?

Achtsamkeit beschreibt für mich die Bereitschaft zur eigenen Wahrnehmung und Reflexion. Die Fähigkeit zur bewussten Auseinandersetzung mit mir selbst.

Meine eigenen Verhaltensweisen verstehen zu wollen, ist wohl die Basis dieser Arbeit.

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Gehen wir davon aus, dass es in der Natur der Kinder liegt, dass sie das Leben annehmen, wie es kommt. Denn bis zu einem gewissen Alter, haben Kinder nur wenig Pläne für die Zukunft. Und meistens wissen sie auch nicht, wovor sie Angst haben sollten. 

Es sind häufig wir Erwachsenen, die aufgrund verschiedenster Erlebnisse und Erfahrungen, Situationen für unsere Kinder mit Gefühlen wie Angst, Stress, Verunsicherung oder gar Verärgerung belegen.

Ein Grundrezept für das erschaffen kleiner resilienter Wesen gibt es wohl nicht. Einfach soll es gehen, mit viel Leichtigkeit verbunden sein und sich im Alltag integrieren lassen. 

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Tinas Top 6 Tipps

Verantwortung übernehmen und Vorbild sein.

Verantwortung für mich, für meine Kinder und das “große Ganze”.

Gemeinsam Spaß haben! Gemeinsam Kind sein.

Das festigt die Beziehung zwischen Eltern und Kind und schafft zugleich haltgebende Erinnerungen.

Kinder in ihrer Wahrnehmung bestärken.

Kinder können lernen, ihre Gefühle nicht zu unterdrücken, sondern damit umzugehen. Hat ein Kind Angst, dann hat es Angst. Es bringt nichts, wenn wir dem Kind dieses Gefühl absprechen (z. B. “davor brauchst Du keine Angst zu haben”). 

Erst einmal geht es darum, anzuerkennen was ist. Ja, das Kind hat Angst! Angst ist ein natürlicher Instinkt. Angst macht uns vorsichtig. Das ist erst einmal gut. Indem wir die Kinder ernst nehmen, gewinnen sie Vertrauen in die eigene Wahrnehmung. Das hilft ihnen später Entscheidungen für sich zu treffen.

Loslassen. Kindern die Möglichkeit geben Erfahrungen zu machen.

Gute wie Schlechte. Das fördert die Eigenverantwortung. Sie erleben z. B. “es geht mir nicht gut”. Was nun? Entweder sie leiden, oder sie übernehmen Verantwortung für sich und aus dem Leid wird ein – was brauche ich jetzt, damit es mir besser geht? Oder wer, oder was kann mich dabei unterstützen?

Zuhören.

Nicht nur mit den Ohren, sondern auch mit den Augen und dem Herz. Wir Eltern gehen gerne davon aus, dass wir genau wissen was unsere Kinder bewegt. Dabei jedoch interpretieren wir nicht all zu selten unsere eigenen Themen hinein und drücken unseren Kindern Lösungen aufs Auge, um die uns keiner gebeten hat. Natürlich tun wir das nicht bewusst und meinen es nur gut. 

Das lässt sich jedoch z. B. so üben: Versuche Deinem Kind mal so zuzuhören, als würdest Du ihm das erste Mal begegnen. Bleibe ganz bei dem, was dir dein Kind erzählt und versuche jeden deiner eigenen Gedanken zwar wahrzunehmen aber nicht daran hängen zu bleiben. Folge mit der Aufmerksamkeit dem, was dein Kind jetzt sagt.

Versuche deinem Kind schlicht wiederzugeben, was du verstanden hast. Ohne Wertung, Interpretation und ohne Lösungsvorschlag… und dann schau mal was passiert. In der Fachsprache nennt man das Duplizieren. 

Lernen kann das jeder. Es ist so einfach und so wirkungsvoll. Oft erzählen meine Kinder mir dann Dinge, die ich nicht erwartet hätte. Das macht unsere Gespräche neu, spannend, ermutigt und bestärkt die Kinder in ihrer Fähigkeit zu kommunizieren.

Dankbar sein.

Bei uns zuhause gibt es z. B. vor dem Schlafengehen feste Rituale. Dazu gehört auch, dass wir gemeinsam auf den Tag schauen und uns z. B. eine der folgende Fragen stellen: Was war heute gut?

  • Was hat mich heute fröhlich gemacht?
  • Was hat mich heute zum Lachen gebracht?
  • Was habe ich heute gut gemacht?
  • Wofür bin ich heute dankbar?

Wir nehmen also eine dieser Fragen und jeder formuliert laut seine Antwort. 

Warum machen wir das? Alle diese Fragen sind bestärkend. Durch das Aussprechen und Formulieren der Antwort, fördern wir ein kraftvolles Bewusstsein und gleichzeitig wiederum die Kommunikationsfähigkeit.  

Und wenn´s an einem Tag mal nicht so toll lief? Dann erst recht. Dankbar sind wir auch für Fehler. Wenn wir Fehler machen, können wir uns entweder tagelang dafür in den Po beißen, oder wir blicken auf das, was wir daraus lernen können. Zugegeben, das erfordert ein bisschen Training, aber es klappt.

Erfahrungen – Schlüsselfaktoren für resiliente Kinder, was macht sie aus?

Natürlich bin ich kein Wissenschaftler und würde mir nicht anmaßen wollen, hier DIE Kriterien für resiliente Kinder festzulegen. Ich habe lediglich eine Vorstellung davon, welche Eigenschaften ich resilienten Kindern, oder resilienten Menschen allgemein zuordnen würde. 

Resiliente Kinder…

  • haben Vertrauen. Sie fühlen sich gehalten im Leben.
  • sind gestärkt in ihrer Wahrnehmung.
  • wissen – ich bin ok, so wie ich bin.
  • können Entscheidungen treffen und überlegen, wie sie mit einer Situation umgehen.
  • kommunizieren, anstatt sich zu verkriechen.
  • übernehmen gerne Verantwortung.
  • sind in der Lage sich Unterstützung zu holen.
  • sind fröhlich.
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Während ich das hier alles so schreibe und lese, entsteht fast ein wenig der Eindruck, bei uns zuhause läuft alles nach Plan. Ich versichere Euch, das ist nicht so.

Auch wir schlagen uns täglich mit unseren Herausforderungen und Grenzen herum. Manchmal gelingt es besser und manchmal eben nicht so gut. Es ist, wie es ist! 

Aber eines ist mir dabei als Mama immer klar – Geht es mir gut, so gehts auch meinen Kindern gut. 

Ich übernehme Verantwortung. Für mich, meine Familie und das große Ganze.

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Wer mehr von Tina hören möchte, sollte sich unbedingt ihren Podcast zu Thema “Die Welt steht Kopf – Kinder stärken durch Selbstführung” anhören. 

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