Das Vorschulkind im Jahr 2020

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Olivia
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Ich bin Liv. Geboren, um die Welt zu entdecken. Zuhause ist für mich der Ort, an den mich mein Herz gerade führt. Ich bin digitaler Nomade aus Überzeugung und kann so Job und meine große Leidenschaft - das Reisen - perfekt miteinander verbinden. Auf der wohl spannendsten Reise meines Lebens nehme ich Euch hier bei den MamiBees gerne ein Stückchen mit.

Was ist richtig in Zeit von Corona

Als Eltern wird man ja irgendwie immer von Zweifeln geplagt. Das beginnt schon vor der Geburt und hört eigentlich nie auf. Egal ob Stillen, Beikost, die Wahl der Zahnpasta, ja, sogar die tägliche Überlegung, was man dem Kind anziehen soll – im Hinterkopf gibt es immer dieses kleine „aber wäre nicht vielleicht doch…“. 

In der aktuellen Zeit von Corona ist der Zweifel ein besonders treuer Wegbegleiter. Die Kindergärten haben zu. Ist das gut für mein Vorschulkind, dass es von jetzt auf gleich so lange von seinen Freunden getrennt wird? Dann machen die Kindergärten wieder auf. Ist es gut, dass jetzt so viele Kinder wieder zusammen kommen? Man weiß es nicht und für hellseherische Fähigkeiten würde jeder wer weiß was geben. 

Sind die ABC-Schützen gewappnet?

Ich habe ein Vorschulkind und zu all den Fragen wann es wieder losgeht, gesellt sich eine besondere, nämlich: ist mein Kind eigentlich schon bereit für die Schule?!

Am Infoabend für die Erstklässler staunte ich nicht schlecht, als eine Kindergärtnerin ein Vorschulprogramm vorstellte, das extra Zeit vorsieht, in der den Kids Buchstaben beigebracht, die Zahlen erklärt und Konzentrationsübungen durchgeführt werden. Mit diesem Wissen im Hinterkopf, hatte ich wieder dauernd Zweifel, ob unser heimisches Programm – aufstehen, spielen, essen, schlafen – tatsächlich genug ist. Die LehrerInnen der Grundschule sagten zwar, dass ein Erstklässler im besten Fall seinen Namen schreiben, Schnürsenkel binden, sich an- und ausziehen und eine Schere benutzen kann. Am wichtigsten wäre die Fähigkeit, sich in die Gruppe einfügen zu können. Verstehen, dass der Tafeldienst, der Mülldienst und der Bücherdienst zugeteilte Aufgaben sind. Mehr nicht. Lesen, schreiben und rechnen zu lernen, ist der Grund, warum die Kinder in die Schule gehen. Das müssen weder die Kindergärten, noch die Eltern ihnen beibringen.

Homeschooling statt Vorschule

Ich habe mit vielen anderen Mamas in der Lockdown-Phase geredet, was sie mit ihren 6-Jährigen zu Hause machen: Die Kinder nur spielen lassen? Oder gibts Programm wie im Kindergarten? Was verpassen unsere kleinen Großen eigentlich? Und macht der Kindergarten eine Art „Homeschooling“? Fehlt da jetzt nicht irgendwas in der Vorbereitung auf die Schule? Hätte ich was machen müssen?

Der große Tenor war, dass alle sind froh, dass man eben nichts machen muss und wir „nur“ Vorschulkinder haben und die Kinder einfach das heimische Verwöhnprogramm genießen dürfen. Und dass man von den Kindergärten ab und zu eine E-Mail mit den aktuellen Informationen bekommen würde.

Homeschooling Vorschulkind

Aber (da ist es wieder, das böse Wort), die kleine Stimme im Hinterkopf lässt sich nicht einfach ausschalten. Was ist, wenn die anderen Kinder jetzt ihre Namen schon schreiben, ihre Schuhe binden, sich umziehen und die Schere benutzen können? Und mein Kind aber „nur“ ganz toll Lego bauen kann? Dann fühle ich mich als Mutter schlecht. Als hätte ich versagt.

Natürlich beginnt das Vorschuljahr im Kindergarten nicht erst am 16.3. (dem Tag, an dem die Kindergärten in Bayern geschlossen wurden), aber was ist, wenn ab da die „großen“ Sachen gemacht worden wären? 

Ich frage also eine befreundete Grundschullehrerin, was ich mit meinem Vorschulkind machen kann, um ihn auf die Schule vorzubereiten, ohne der Schule was vorweg zu nehmen. Und vor allem, wie bringe ich ihm die Sachen richtig bei? Ihre Antwort: keine Sorge, solange man das Kind zu nichts drängt, macht man nichts falsch und dem Kind lesen und rechnen beizubringen, ist nicht meine Aufgabe als Mutter.

Wir beginnen zu Hause, mit einem selbstgebastelten Montessori-Kasten Schnürsenkel binden zu üben. Das Kind ist motiviert, freut sich, dass es was Neues machen kann bzw. was üben darf. Nur von Erfolg gekrönt sind unsere Bemühungen (noch) nicht. Zur Not kaufen wir einfach Schuhe mit Klettverschluss habe ich beschlossen und wir üben fleißig weiter. Wenn das Kind Lust hat.

Weil ihm das Schuhe binden aber so Spaß gemacht hat, führen wir ein, jeden Vormittag nach dem Frühstück entweder ein Puzzle zu machen, Memory, Domino, Mini-LÜK oder ein anderes Spiel zu spielen, etwas zu malen oder zu basteln. Am Nachmittag gehen wir in den Wald. TipToi Vorschulwissen*, Erste Buchstaben*, Erste Zahlen* werden aus dem Regal gesucht und gemeinsam lernen wir die Uhr lesen*. Das Kind findet es toll, nach vier Wochen laissez-faire kommt die Idee eines Stundenplans wohl echt gut an und er darf immer das machen, worauf und wie lange er Lust hat. Unser absolutes Lieblingsspiel wird Entdecke die Welt von Ravensburger* womit wir dann auch den Papa ziemlich beeindrucken können: weil wenn das Kind am Ende gänzlich unvorbereitet in die 1. Klasse kommt, so kennt es zumindest die Lage der Pyramiden von Gizeh und welche Kontinente es gibt.

Und neben diesen Überlegungen bzgl. den Fähigkeiten kommen dann neue Zweifel: die, ob den Vorschulkindern durch die Corona-Beschränkungen nicht auch etwas weggenommen wird. Die Übernachtung im Kindergarten. Das Basteln der Schultüte. Den Schulranzen vorführen. Den Schulweg üben. In der Schule die Sportstunde besuchen. Ein „Rauswurf“. Die T-Shirts, die sie in den letzten Wochen tragen dürfen, und die sie ein bisschen besonderer machen, gegenüber den Kleinen, die noch ein Jahr im Kindergarten bleiben werden. Trägt mein Kind einen „bleibenden Schaden“ davon, wenn ihm diese Erfahrungen genommen werden?

In der Kindergarten-WhatsApp-Gruppe wird schnell klar, das sich die anderen Mamas die gleichen Fragen stellen. Sollen wir selbst ein Übernachtungsfest organisieren, abseits vom Kindergarten, zelten im Garten? Dürfen wir das denn überhaupt? Wie gestalten wir das Abschlussfest, planen wir eine Schatzsuche, bei der die Kinder ihre T-Shirts bekommen, ohne, dass ihnen auffällt, dass alles irgendwie anders ist als in den letzten Jahren?

Als es in Bayern nach acht Wochen Ausgangssperre heißt, dass die Vorschulkinder als erste Gruppe nach 10 Wochen zu Hause wieder zurück in die Kindergärten dürfen, war bei mir (und auch bei den anderen Mamas) die Erleichterung groß. Immerhin sind es dann noch 8 Wochen bis zum Kindergartenende. Zeit genug, um noch ein paar Erinnerungen zu schaffen. Und notfalls den Namen schreiben zu lernen…

Zurück zu alten Gewohnheiten

Dann kam der Tag, an dem wieder in den Kindergarten war. Da mein Sohn in einem Waldkindergarten ist, bringe ich ihn ab sofort auch direkt dort hin. Das erste, was mir in den Sinn kommt, ist „Oh Gott, sie gehen nicht mehr in den Gruppenraum, wo die ganzen Utensilien für die Vorschulkinder sind!“. Aber ich liefere ihn ab und er ist glücklich. Er spielt mit seinen Freunden und als Besonderheit dürfen die Vorschulkinder alleine zum Treffpunkt gehen. Die Kleinen müssen am Waldrand auf die Erzieher warten. Er ist stolz und glücklich, und ich denke, ausschließlich darauf kommt es letztendlich auch an.

Gewohnheiten Vorschulkind

Vielleicht hätte ich auch einfach mit meinem Kind reden sollen, dann wäre mir viel Stress erspart geblieben. Natürlich kann er seinen Namen schreiben. Natürlich kann er eine Schere benutzen. Natürlich kann er sich selber an- und ausziehen. Und natürlich kennt er die Buchstaben und Zahlen, weil der Kindergarten das halbe Jahr vorher schon immer wieder spielerisch mit den Kindern auf die Schule hingearbeitet hat. Unsere Vorschulkinder können sich alleine anziehen, Schuhe binden mal mehr und mal weniger und sie verstehen, was eine Gruppe ist. Sie können sich einfügen. Wir haben die Kinder dann gefragt, was sie vermissen, und alle haben nicht gewusst, was sie antworten sollen. Weil ihnen nichts fehlt.

Wenn wir Eltern es zerdenken

WIR Eltern hatten eine Vorstellung davon, wie ein Kindergartenjahr für ein Vorschulkind hätte sein sollen. Die Kinder nicht. Die sind einfach ein weiteres Jahr in den Kindergarten gegangen. Mit denselben Erwartungen, wie auch das Jahr davor: nämlich mit ihren Freunden spielen, malen, basteln und Spaß haben. Nicht mehr, aber auch nicht weniger. Sie haben sich keine Sorgen darüber gemacht, was sie nicht gemacht haben, das waren nur wir Eltern.

Und genau das ist der Punkt. ALLE waren nicht den Sportunterricht anschauen. KEINER ist den Schulweg gegangen. KEINER hat übernachtet und KEINER hat die Schultüte im Kindergarten gebastelt. Alle Kinder haben die gleiche Ausgangsposition. Und Individualität in den Fähigkeiten hätte es auch gegeben, wenn Corona nie passiert wäre. Mein Kind hätte seinen Schulranzen nicht vor Ostern zeigen können, weil er bis jetzt noch keinen hat. Mein Kind will gar keine Schultüte basteln, sondern sich viel lieber von mir überraschen lassen. Und mein Kind sagt, es will gerne am Lagerfeuer Stockbrot essen, aber gar nicht unbedingt alleine mit den anderen im Zelt übernachten.

Eltern Vorschulkind

Ich werde den Schulweg mit ihm üben. Und ihm erklären, wie Sportunterricht funktioniert. Und mit ihm Schuhe binden üben. Ich werde mit den anderen Eltern ein Abschlussfest mit Schatzsuche organisieren und von mir aus kann er sein Vorschulkind-T-Shirt bis zum Schulanfang tragen wenn er es will. 

Ich werde immer Zweifel haben. Wenn es mal mit einem Buchstaben Probleme gibt, werde ich überlegen, ob ich nicht vielleicht hätte in der Corona-Zeit mit ihm hätte doch üben können. Aber ich werde auch stolz sein, wenn er am 1. Schultag mit seinem Schulranzen und (m)einer Schultüte in die Schule geht. Und die Zweifel müssen dann einfach mal kurz warten, weil ändern können wir alle nichts an der Vergangenheit und hinterher ist man eh immer schlauer. Vor allem, wenn man in die Schule kommt.

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